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Bloggen aus Israel

Waehrend Deutschland - vermute ich - unter dem Nachweihnachtsblues und fiesem Winterwetter leidet, sitze ich im ueber 20 Grad warmen, sonnig-sommerlichen Israel und geniesse eine gut zweiwoechige Auszeit mit Kind. Da ich beruflich und privat in den letzten 3 Monaten viel Stress hatte, kann ich die Pause mehr als gut gebrauchen und merke, wie meine Lebensgeister wieder zunehmen.

Mir Kind erforsche ich die Spielplaetze und Cafes der Hauptstadt, goenne uns Cappucino bzw. Eis in ueberteuerten Strandcafes, und treffe auf gelegentlichen Ausfluegen Familienmitglieder. Die wenigen Brocken Hebraeisch, an die ich mich noch erinnere, helfen mir sehr bei der Kommunikation mit den verwandten Klein- und Kindergartenkindern. Nicht, dass ich wirklich verstehen wuerde, was sie sagen, aber meine Chancen beim Raten sind doch deutlich besser als frueher.

"Frueher" war vor 10 Jahren, als ich, damals noch mit Eltern und Geschwistern, fuer 2 Wochen Herbstferien in Israel war. Damals haben wir diverse Sehenswuerdigkeiten an allen moeglichen Ecken des Landes abgeklappert, ich konnte die Schilder garnicht lesen, und es war noch ziemlich heiss. Der Spaetpubertaet, in der ich damals steckte, entsprechend, war ich ausserdem damit beschaeftigt, Schnaeppchen auf dem Souvenirmarkt zu machen und habe wohl entsprechend wenig vom Land mitbekommen. Jedenfalls erinnere ich mich, neben wenigen wirklich beeindruckenden Sehenswuerdigkeiten, vor allem an die Namen von Shopping-geeigneten Hauptstrassen.

Diesmals ist es ganz anders: Das Wetter ist fruehsommerlich-mild, ich habe Zeit fuer Gespraeche mit meiner (Halb-)Tante, die noch waehrend des zweiten Weltkriegs in Osteuropa geboren wurde, dann nach Kriegsende ueber zehn Jahre in Deutschland gelebt hat, und schliesslich nach Israel emigriert ist. Ihre Kinder und Enkel beobachte ich, inzwischen selbst Mutter, ganz anders. Ausserdem kann ich mich an Strassenschildern etc. zumindest einigermassen orientieren. Witzigerweise werde ich staendig auf Hebraeisch angesprochen (keine Ahnung, worum es geht) - mit Kind sehe ich wohl nur wenig nach einer Touristin aus. Das geniesse ich sehr, auch wenn mir sehr deutlich wird, wie wenig ich dieses Land verstehe. "Zuhause", in Deutschland, stoert es mich, dass ich - vermutlich auf Grund meiner dunklen Haare & Augen - immer mal wieder gefragt werde, wo ich geboren wurde. Schoen, dass ich hier gegenteilige Erlebnisse habe.

Dennoch, zuhause ist und bleibt fuer mich Deutschland, mit allen Macken & Makeln, die es hat und allen Schwierigkeiten, die das Leben als Mensch mit teiljuedischem Hintergrund in Deutschland bietet. Wenn ich wieder zurueckkomme, das ist ein Ergebnis dieser Reise, werde ich mich wieder etwas staerker hinter die Arbeit an doppel:halb klemmen. Ich hoffe, den Schwung, den ich aus Israel mitbringe, kann ich ins Projekt hineintragen.

1 Kommentar 27.12.09 13:12, kommentieren